AFiD-Modul Unternehmensdemografie
Der Fokus der Statistik zur Unternehmensdemografie liegt auf der Veränderung des Unternehmensbestandes durch Gründungen und Schließungen sowie der Darstellung des Überlebens von Unternehmen. Die Unternehmensdemografie bezieht sich nicht auf Betriebe bzw. Niederlassungen. Sie umfasst vielmehr Daten zu aktiven Unternehmen, Unternehmensgründungen, deren Fortbestand und zu Unternehmensschließungen.
Eine Gründung bzw. Schließung im Sinne der Unternehmensdemografie liegt dann vor, wenn eine Kombination von Produktionsfaktoren – beispielsweise Umsatz oder Beschäftigung - geschaffen wird oder wegfällt, keine Reaktivierung im Folgejahr vorliegt und an diesem Vorgang kein anderes Unternehmen beteiligt ist.
Daher werden die sogenannten demografischen Ereignisse aus den Gründungen und Schließungen herausgerechnet. Dies sind beispielsweise Umstrukturierungen (z.B. Fusionen und Übernahmen, Joint Ventures) oder Vorgänger-Nachfolger-Beziehungen. So werden echte (originäre) Gründungen und Schließungen analysierbar, die sich von rein strukturellen Veränderungen unterscheiden. Während durch echte Gründungen und Schließungen Produktionsfaktoren, wie Beschäftigte, Betriebsstätten und Anlagen, neu geschaffen oder vernichtet werden, führen die rein strukturellen Veränderungen unternehmensdemografischer Ereignisse dazu, dass Produktionsfaktoren zwischen Unternehmen nur anders verteilt werden.
Eine Vergleichbarkeit mit den Gründungsdaten der Gewerbeanzeigenstatistik ist durch die Verschiedenartigkeit der angewandten Methoden nur eingeschränkt möglich. Ebenso lassen sich aus Insolvenzen keine echten Schließungen ermitteln, da eine Insolvenz nicht zwangsläufig zu einer Schließung im Sinne der Unternehmensdemografie führt. Auch muss einer Schließung keine Insolvenz vorausgehen.
Bei der Unternehmensdemografie handelt es sich um eine Sekundärstatistik und keine Befragung bzw. Erhebung. Die zentrale Datenbasis stellt das statistische Unternehmensregister, ergänzt um unterjährige Verwaltungsdaten der Bundesagentur für Arbeit und der Finanzbehörden, dar.
Die Lieferung unternehmensdemografischer Daten ist seit dem Jahr 2009 (Berichtsjahr 2007) auf europäischer Ebene verpflichtend. Rechtsgrundlage bildet der Anhang IX der EU-Verordnung über die strukturelle Unternehmensstatistik. Diese wurde für das Berichtsjahr 2021 durch die Verordnung über europäische Unternehmensstatistiken abgelöst.
Ab Berichtsjahr 2008 werden Mikrodaten der Unternehmensdemografie im FDZ für die "Rechtliche Einheit" (RE) geführt. Diese ist definiert als die kleinste rechtliche Einheit, die aus handels- und/oder steuerrechtlichen Gründen Bücher führt.
Ab Berichtsjahr 2018 ist die zusätzliche Darstellungseinheit in der Unternehmensdemografie das Unternehmen nach EU-Definition (UN). Dieses ist die kleinste Kombination "Rechtlicher Einheiten", die eine organisatorische Einheit zur Erzeugung von Waren und Dienstleistungen bildet und insbesondere in Bezug auf die Verwendung der ihr zufließenden Mittel über eine gewisse Entscheidungsfreiheit verfügt. Ein Unternehmen übt eine Tätigkeit oder mehrere Tätigkeiten an einem Standort oder an mehreren Standorten aus. Ein Unternehmen kann einer einzigen "Rechtlichen Einheit" entsprechen ("einfaches Unternehmen") oder aus mehreren "Rechtlichen Einheiten" bestehen ("komplexes Unternehmen").
Die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder veröffentlichen ab dem Berichtsjahr 2018 nur Ergebnisse für die Darstellungseinheit der Unternehmen nach EU-Definition. Im Forschungsdatenzentrum können ab dem Berichtsjahr 2018 zusätzlich dazu, Ergebnisse auch für die „Rechtlichen Einheiten“ erzeugt werden. Somit lassen sich hier Ergebnisse für die „Rechtlichen Einheiten“ von frühestens 2008 bis zum unten aufgeführten aktuellen Rand erstellen.
Die Ergebnisse zur Unternehmensdemografie umfassen alle Unternehmen des Produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungsbereiches. Ab Berichtsjahr 2018 wird die Grundgesamtheit auf die Marktproduzenten beschränkt, das heißt auf Unternehmen, die den VGR-Sektoren 11 "nicht-finanzielle Kapitalgesellschaften", 12 "finanzielle Kapitalgesellschaften" oder 14 "private Haushalte" angehören. Nicht einzubeziehen sind Unternehmen der Sektoren 13 "Staat" und 15 "private Organisationen ohne Erwerbszweck".
Die Ergebnisse der Statistik ermöglichen eine Analyse des Gründungs-, Überlebens- und Schließungsgeschehens in Deutschland. Das AFiD-Modul Unternehmensdemografie kann grundsätzlich zusammen mit weiteren AFiD-Statistiken ausgewertet werden. Mit den Einzeldaten kann in beliebiger Detailtiefe gerechnet werden. Für die Ergebnisdarstellung sind allerdings folgende Vorgaben zur sinnvollen Gliederungstiefe einzuhalten:
- Regionale Gliederungstiefe: Bis einschließlich Berichtsjahr 2020 ist das Bundesland die tiefste sinnvolle, räumliche Gliederungstiefe und ab dem Berichtsjahr 2021 ist dies die Kreisebene.
- Wirtschaftszweigfachliche Gliederungstiefe nach der aktuellen WZ-Klassifikation: Die tiefste Darstellungsmöglichkeit auf Bundeslandebene ist der WZ-3-Steller und ab dem Berichtsjahr 2021 außerdem die Kreisebene, solange höchstens die in den amtlichen Veröffentlichungen verwendeten, zusammengefassten WZ-Abschnitte dargestellt werden (vgl. die UDE-Merkmalsliste in den Metadaten).
- Rechtsformen können maximal auf Ebene der Eurostat-Rechtsformen ausgewertet werden: 1. Einzelunternehmen, 2. Kapitalgesellschaften, 3. „Personengesellschaften und sonstige“.
Weitere Informationen zur Methodik finden Sie in Aufsätzen aus dem Wissenschaftsmagazin beim Statistischen Bundesamt, "Wirtschaft und Statistik" WISTA in Ausgabe 6/2013 "Unternehmensdemografie: methodischer Ansatz und Ergebnisse 2005 bis 2010", in Ausgabe 2/2021 "Aktuelle Entwicklungen in der Unternehmensdemografie" sowie in Ausgabe 03/2024 „Regionale Ergebnisse der Unternehmensdemografie“.
Die detaillierten Konzepte sind auch im von Eurostat und der OECD gemeinsam entwickelten Manual on Business Demography Statistics beschrieben.
Verfügbare Mikrodaten
Das AFiD-Modul Unternehmensdemografie ist Teil der Amtlichen Firmendaten für Deutschland. Zugang erfolgt ursprünglich im Long-Format und ergänzend ggf. über ein im FDZ entwickeltes Wide-Format. Folgende Teilmodule und Erhebungsjahre können über die einzelnen Zugangsformen genutzt werden:
AFiD-Modul Unternehmensdemografie, Rechtliche Einheiten (RE) (EVAS 52121)
| Erhebungsjahr | Form des Datenzugangs | ||
|---|---|---|---|
| Off-Site-Zugang | On-Site-Zugang | ||
| Public Use File (PUF) | Scientific Use File (SUF) | Gastwissenschaftsarbeitsplatz (GWAP), kontrollierte Datenfernverarbeitung (KDFV) | |
| 2018-2022 | - | - |
verfügbar Metadaten/DOI |
| 2008-2017 | - | - |
verfügbar Metadaten/DOI |
AFiD-Modul Unternehmensdemografie, Unternehmen nach EU-Definition (UN) (EVAS 52121)
| Erhebungsjahr | Form des Datenzugangs | ||
|---|---|---|---|
| Off-Site-Zugang | On-Site-Zugang | ||
| Public Use File (PUF) | Scientific Use File (SUF) | Gastwissenschaftsarbeitsplatz (GWAP), kontrollierte Datenfernverarbeitung (KDFV) | |
| 2018-2022 | - | - |
verfügbar Metadaten/DOI |